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Geschichte

Der Markt wird um 1145 erstmals als "Ladestorf" urkundlich erwähnt. Der Ort, die Pfarre und die Bewohner gehörten zur Grundherrschaft Schallaburg, in deren Bereich sich Loosdorf zum wirtschaftlichen Zentrum entwickelte.

Der Markt Loosdorf - Ein Ort voll Tradition

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert begann unter den Losensteinern das "Goldene Zeitalter" des Ortes. Hans Wilhelm von Losenstein (1546 - 1601) führte den Bau des berühmten Arkadengangs auf der Schallaburg durch. Er errichtete in Loosdorf die von den Türken zerstörte Pfarrkirche neu. Sie ist eine der wenigen Renaissancekirchen des Landes. Dann begründete er ein Gymnasium zur Heranbildung der protestantischen adeligen Jugend, für das ein eigenes Gebäude, die noch heute erhaltene "Hohe Schule", erbaut und eine eigene Schulordnung verfasst und 1574 gedruckt wurde.

Diese nur mehr in zwei Exemplaren erhaltene "Loßdorffische Schulordnung" ist ein bedeutendes Zeugnis der damals sehr hochstehenden Erziehungs­wissenschaft. Loosdorf war zu einem protestantischen Zentrum geworden, das religiös und auch landespolitisch große Bedeutung erlangte.

Weiters erwirkte der Losensteiner beim Kaiser ein Marktprivileg (1584), das den Bewohnern ein bürgerliches Leben mit einem Richter und Rat an der Spitze des Gemeinwesens gestattete. Dazu kam ein Wochenmarktsprivileg (1588) und schließlich ein eigenes Marktwappen.

Marktort für einen weiten Umkreis
Der erste Hinweis auf die Wirtschaft Loosdorfs stammt aus einer Steuerbefreiung auf gefärbte Tuche, u.a. auch für die Kaufleute von Loosdorf. Die Färberei beruhte auf einem der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte dieser Gegend, auf dem Safrananbau.

Safran - heute fast unbekannt -, war früher nicht nur ein aromatisch-bitteres Gewürz, er diente auch als wichtiger Farbstoff zum Gelbfärben. "Loosdorfer Safran" war ein Qualitäts- und Markenname, der sogar noch in Hamburg bekannt und geschätzt war. Schließlich wurde er Ende des letzten Jahrhunderts von chemisch-synthetischen Farbstoffen verdrängt. 1892 musste der letzte Safrangarten hier in Loosdorf aufgelassen werden.

Die Landwirtschaft blieb ein wesentlicher Faktor, die wirtschaftliche Bedeutung Loosdorfs lag seit dem Mittelalter jedoch beim Handwerk und Handel. Die konkurrierenden Nachbarorte verwiesen stets auf den Reichtum der Loosdorfer Bürger, die Äcker und Weingärten wie Meierhöfe hätten, aber auch so viel Viehweide, dass sie sogar Heu verkaufen könnten. Sie hätten eigene Waldungen, einen Ziegelofen und noch viel mehr, von dem sie sich ernähren könnten, weshalb sie keine besonderen Markttage oder Jahrmärkte brauchen wie andere Orte.

Seit der Wende zum 20. Jahrhundert änderten sich die Wirtschaft und damit auch die gesellschaftliche Struktur des Ortes. Mit dem Einstellen des Safrananbaus und dem allmählichen Erliegen des Weinbaus ging der bäuerliche Bevölkerungsanteil rasch zurück. Handwerk und Gewerbe blieben mit dem Handel noch bestimmend, der Arbeitnehmeranteil nahm jedoch rasch zu. Der historisch gewachsene Marktort versorgt mit seinem erstaunlich großen Angebot nun ein Gebiet, das vom südlichen Waldviertel bis in das Voralpengebiet reicht. Der überwiegende Teil der Bevölkerung pendelt in die übergeordneten Zentren nach St. Pölten und Wien.

Ein Ort mit Lebensqualität und wirtschaftlicher Zukunft
Durch die konsequente Ausnützung der Verkehrslage an der Westbahn, der Bundesstraße 1 und der Autobahn, den Ausbau er Infrastruktur und der Widmung geeigneter Betriebsflächen, konnten in den letzten Jahren bedeutende Betriebe und damit neue Arbeitsplätze in Loosdorf angesiedelt werden.

Am Beginn des neuen Jahrtausends bietet Loosdorf das Bild einer zukunftsorientierten und dynamischen Gemeinde.

Mit der gesellschaftlichen Umstrukturierung und dem zunehmenden Wohlstand begann ab den 1950er Jahren ein Wohnbauboom, der zu einer völligen Veränderung und vor allem Erweiterung des Loosdorfer Siedlungsbildes geführt hat. Diese von der Gemeinde geförderte Wohnbaupolitik hat daher zu einem stetigen Bevölkerungszuwachs beigetragen.

Nach dem Ausbau der notwendigen Versorgungs- und Bildungseinrichtungen, der Erholungs- und Sportstätten in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, begann die gezielte Ortsplanung und Widmung in Blickrichtung auf die Hebung der Lebensqualität. Es wurde und wird das für eine Gemeinschaft so notwendige freundliche Umfeld geschaffen.

Die Schönheit des Ortes und der Umgebung ließen eine Vielzahl von Einrichtungen für den Sport und an Erholungsmöglichkeiten entstehen.

Albrechtsberg

Der Ort liegt unter dem markanten Schloss, der bis in die Zwischenkriegszeit des letzten Jahrhunderts von dessen Besitzern "bestimmt" wurde. Graf Albrecht von Perg gab dem Ort auch den Namen. 1149 schenkte Friderun, die Witwe nach Siegfried von Adalbrehtisperge, einen Weingarten an das Kloster Göttweig.

Der Bau der Feste geht auf die Zeit um 1100 zurück, die in den folgenden Jahrhunderten von zahlreichen Besitzerfamilien immer wieder um- und ausgebaut wurde. Nach den hochfreien Grafengeschlechtern der Perg, Plain und Schaunberg übergab der Landesfürst das Lehen an die Familien der Eisenbeutel, Fleischesser, Kilber, Redler, Enenkel, Starhemberg, Hegenmüller, an bürgerlich-rittermäßige Besitzer, an die Freiherrn von Hammerstein-Equord, die Fürsten Auersperg und Rohan, schließlich erwarben ab Mitte des 20. Jahrhunderts bürgerliche Privatvesitzer das Schloss.

Pfarrlich ergab sich eine eigenartige Aufteilung auf die Pfarren Mauer und Hürm. Die Bewohner des Ortes gehörten zur Göttweiger Pfarre Mauer, die Achaz-Kapelle im Schloss zur Pfarre Hürm. Erst im Jahre 1783 pfarrte Albrechtsberg nach Loosdorf um.

1849 wurden die Katastralgemeinde Albrechtsberg mit der Marktgemeinde Loosdorf vereinigt. Ab dem Jahre 1850 wählten die Albrechtsberger anstatt ihres der Herrschaft untertänigen Amtmanns oder Richters den Loosdorfer Bürgermeister als ihr Gemeindeoberhaupt.

Die Bewohner Albrechtsbergs waren bis weit in das 20. Jahrhundert Bauern, die vor allem den Weinbau als Sonderkultur betrieben. Aus den Grundbüchern ist zu ersehen, dass die "Hauersbehausungen" nicht besonders gut dotiert waren. Der Grundbesitz verteilte sich durchwegs auf zahlreiche Weingärten im Bereich des "Gebirges". Um 1900 ließen die eingeschleppte Reblaus und der "Falsche Mehltau" den Weinbau erliegen. Die Hauer gingen in den Nebenerwerb und mussten die wirtschaftlich schlechten Jahre der Zwischenkriegszeit oft in großer Not überstehen. Nach dem 2. Weltkrieg überwogen in der Arbeitsbevölkerung bereits die unselbständigen Arbeitnehmer. Der Aus- und Umbau ließ die Bauernhäuser bald zu Wohnhäusern werden, und die Erschließung einer Wohnsiedlung veränderte das Bild des ursprüngliche Bauerndorfs rasch in einen großflächigen "Wohnort".

Neubach

Neubach erscheint erst relativ spät, im 13. und 14. Jahrhundert, als "Neunpauchen" bzw. mit dem Bewohner Martin, dem "Neupekchen", in den Quellen auf. Die Namensdeutung ist nicht ganz klar.
Auch Neubach war ein "Amt" der Herrschaft Albrechtsberg und dieser bis zum Jahre 1848 untertänig. Aber auch das Stift Melk hatte hier Besitzungen, vor allem aber etliche Einzelgrundstücke, die zu Burgrecht verpachtet waren.

Die Bezeichnung der Bauerngüter in den Grundbüchern geben bereits einen Hinweis auf die Wirtschaft des Ortes: Sie werden meist "Hauerbehausung", aber auch Lehen und Halblehen bezeichnet. Die wichtigste Einnahmequelle war also wie in Albrechtsberg der Weinbau, dazu gab es aber offenbar mehr Äcker, Wiesen und Weiden um eine herkömmliche Landwirtschaft betreiben zu können. Jedoch nur einzelne Güter waren so gut dotiert, dass sie die schwierigen Jahre in der Zwischenkriegszeit des vorigen Jahrhunderts unbeschadet überstehen konnten. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie zu Nebenerwerbswirtschaften, die Besitzer gingen durchwegs einer unselbständigen Arbeit nach.

Neben dem Weinbau wurde auch Anbau von Safran betrieben. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der zur Gelbfärbung verwendete Safran durch synthetische Farben ersetzt wurde, hat man auch diesen arbeitsintensiven Anbau aufgelassen. 1892 wurde hier in Neubach der letzte Safrangarten ausgepflanzt. Nur wenige Jahre später fand auch der Weinbau sein Ende.

Auch hier in Neubach hat sich das Siedlungsbild ab den 1950er Jahren stark verändert. Die Bauernhäuser wurden zu Wohnhäusern und Einzelhaussiedlungen bestimmen nun das Ortsbild.

Rohr

Im sogenannten "Stiftbrief" (1113) wird das Dorf Rore unter dem Ausstattungsgut des Kloster Melk genannt. Vermutlich war es schon im 11. Jahrhundert durch eines der Familienmitglieder der hochfreien Grafen von Peilstein-Burghausen-Schala an das Stift gekommen.

Bis 1848 blieben der Ort und seine Bewohner Untertanen der Melker Benediktiner. In den Grundbüchern lassen sich die Bauernhäuser bis in das 14. Jahrhundert zurück verfolgen. Rohr ist nicht nach Loosdorf, sondern nach Haunoldstein eingepfarrt.

Der Ortsname leitet sich vom Schilfrohr und Röhricht der ehemals größeren Wasserfläche und späteren starken Versumpfung der "Rohrer Wiesen" her.

Auch in Rohr stand wirtschaftlich stets die Landwirtschaft im Vordergrund. Die ebeneren Flächen ließen mehr Ackerbau, gemischt mit Viehhaltung zu. Auf den Hängen zur Lochau wurde bis um 1900 Safran und Wein angebaut. Als Folge der landwirtschaftlichen Umstellung im 20. Jahrhundert wurden die im Haupterwerb geführten Landwirtschaften allmählich zu Nebenerwerbsbetrieben. Auch hier überwiegt nun der Anteil der Arbeitnehmer in der Bevölkerung.

Rohr ist jene Ortschaft in der Marktgemeinde Loosdorf, die ihr ursprüngliches Aussehen am ehesten bewahrt und erhalten hat. Hier kam es nicht zu der für die anderen Ortsteile so charakteristischen Änderung des dörflichen Charakters durch eine ausufernde Siedlungstätigkeit.

Sitzenthal

Sitzenthal wird stets als Gründung eines Grafen Sieghard von Schala um die Mitte des 12. Jahrhunderts angesehen. Die Kurz- und Koseform Sizo wurde auf die Neugründung übertragen. Die erste Nennung erfolgte 1287, als der Meierhof von Sitzenthal an das Stift Melk geschenkt wurde. Das Kloster dürfte aber schon vorher in den Lehensbesitz der kleinen Feste gekommen sein.

Zahlreiche adelige Familien treten in der Folge als Lehennehmer des Klosters auf. Meist waren die Herrschaften Sitzenthal und Albrechtsberg in derselben Besitzerhand vereint.

Beim Schloss und Gutshof gab es zunächst kein Dorf, nur einige wenige Häuser der Bediensteten. Die Besitzer der Herrschaft besaßen den Grund um das Schloss und betrieben auf diesem Ackerbau und Viehhaltung zur Eigenversorgung.

Kurz nach 1800 begann sich eine Reihe von Leuten anzusiedeln, die in kleinen Keuschen den Baugrund billig von der Herrschaft erhalten hatten. Es entstand nun den Hang aufwärts ein kleines Zeilendorf, das im Laufe der Zeit um eine zweite Hausreihe erweitert wurde.

Etwa zehn Familien begannen verschiedene Wandergewerbe auszuüben, um sich über Wasser halten zu können, sie hatten ja keinen Grundbesitz, den sie bewirtschaften konnten. Als Hadernsammler, Scherenschleifer, Regenschirmmacher und Hausierer - andere gab es in Sitzenthal nicht - mussten diese als Gewerbe anmelden. Jahr für Jahr zogen die Fahrenden mit der gesamten Familie in ihren Wägen auf festgelegten Routen zu bestimmten Aufenthaltsplätzen. Der schlechte Ruf der Sitzenthaler ist auf die Gleichsetzung mit Roma und Sinti zurückzuführen, die von der Bevölkerung richtiggehend gefürchtet wurden. Die Sitzenthaler hatten zudem die Sprache der Fahrenden, das Jenische, übernommen, das fälschlich mit dem Rotwelschen als Gaunersprache gleichgesetzt wurde.

Heute gibt es in Sitzenthal nur mehr die Erzählungen von den früheren Verhältnissen und Zuständen. Die arbeitsame Bevölkerung ist in verschiedensten Berufen tätig und hat sich schmucke Häuser um- und ausgebaut oder neu errichtet. Viele sind zugezogen oder abgewandert, den gefürchteten und verrufenen "Sitzenthaler" früherer Jahrzehnte gibt es nicht mehr.